Durch das Coronavirus haben viele Unternehmen derzeit ihre Geschäfte geschlossen. Mitarbeiter wurden gekündigt, oder Kurzarbeit angemeldet. Ich selbst bin glücklicherweise von diesen Maßnahmen nicht betroffen. Mein Arbeitgeber, die 1&1 Telecommunication SE, gibt mir die Möglichkeit in diesen Zeiten ohne Weiteres von zu Hause aus zu arbeiten. Und so arbeite ich, aber auch ganz viele meiner Kollegen derzeit von Zuhause. In diesem Artikel lasse ich dich an einem meiner typischen Home-Office Arbeitstag während der Coronakrise teilhaben.

Coronavirus: Mein Arbeitstag im Home-Office

Tatsächlich war mein Arbeitgeber auf die Situation gut vorbereitet und hat auch schnell Maßnahmen zum Schutz ergriffen. In unserem Team haben wir bereits im Februar die Home-Office-Verprobung durch alle Mitarbeiter durchgeführt, um Probleme, als auch Einschränkungen in unserer täglichen Arbeit feststellen und frühzeitig abstellen zu können. Und so sitze ich inzwischen seit vergangener Woche zu Hause im Home-Office. Und das wird sicherlich auch noch eine Weile so sein. Denn Ziel ist, dass sich viele Menschen ohne gesundheitlicher Vorbelastung, mit dem Coronavirus infizieren. Jedoch möglichst langsam, so dass das Gesundheitssystem durch schwerwiegende Krankheitsverläufe nicht zu kollabieren droht.

Morgenroutine im Home-Office

Jeden Morgen so gegen 6 Uhr, manchmal aber auch 6:30 Uhr, leutet mein Wecker. Dann springe ich meist nach nem schnellen Espresso Lungo unter die Dusche und gehe der typischen Morgenhygiene nach. Frisch angezogen und damit meine ich keineswegs die Jogginghose, sondern in Jeans/ Cargohose, Hemd, Pulli, oder Poloshirt gehts dann mit ner weitere Tasse Lungo bereits gegen 6:30 Uhr an meinen Home-Office Arbeitsplatz und starte das Notebook.

Ja, in der Tat fahre ich das Notebook runter. Warum? Das hat mehrere Gründe. Zunächst einmal habe ich ein DELL Notebook (Modell: Latitude E7270). Wer dieses Dell-Notebook kennt, hat möglicherweise schon die Erfahrung gesammelt, dass die Akkus sich schnell deformieren. Und glaubt mir, diese Art von Deformierung bei diesem Notebook ist dann so gewaltig, dass die Bedienung der Tastatur und des Trackpads nicht mehr wirklich funktioniert. Nun habe ich glücklicherweise erst kürzlich das zweite Mal in den letzten 12 Monaten mein Akku getauscht, so dass aktuell alles im Lot ist. Doch es gibt noch einen weiteren Grund sein Notebook auszuschalten – nämlich der Feierabend!

Doch nun zurück zum eigentlichen Geschehen. Zunächst einmal werfe ich einen Blick in mein E-Mail Postfach. Auf dringende Nachrichten reagiere ich, ansonsten schaue ich erst wieder um die Mittagszeit rein, bzw. wenn Termine anstehen. Die E-Mail-Benachrichtigungsfunktion habe ich übrigens deaktiviert und kann nur jedem dazu raten es auch zu tun. Denn die Benachrichtigungsfunktion mag für eine Assistenz relevant sein, nicht aber für einen Angestellten, der ungestört seiner Arbeit nachgehen möchte und Termine einzuhalten hat. Denn dieses Benachrichtigungsfenster sagt mit leiser Stimme „Hey…, hey Du, Ich hab da Post für Dich. Das könnte vielleicht wichtig sein“. Also abschalten!

Projekt & Tagesgeschäft

Bereits gegen 7 Uhr kümmere ich mich um das Projekt-, als auch Tagesgeschäft. Hierzu habe ich zwei unterschiedliche Jira-Queues im Einsatz. Zunächst prüfe ich auch hier, ob Tickets mit hoher Dringlichkeit eingestellt wurden (Bsp: Major/ Critical-Bugs) – meist aber nicht der Fall. Dann widme ich den Jira-Stories, für die ich projektseitig die Verantwortung in der Umsetzung trage.

Warum ich mich möglichst schnell dem Projektgeschäft widme? Weil die Produktivität, egal ob im Home-Office, oder am Arbeitsplatz im Geschäft, bis ca. 12 Uhr anhält und danach abfällt. Diese erholt sich zwar nochmal, doch am Vormittag ist man weitaus produktiver, als am Nachmittag. Die Leistungskurve kann man übrigens auch hervorragend dafür nutzen, um Meetings zur richtigen Tageszeit zu planen.

Um 8 Uhr dann eine kurze Kaffeepause. Hier werfe ich auch einen Blick in die sozialen Netzwerke wie Facebook & Twitter. Dann geht es auch schon wieder weiter im Projektgeschäft. Um 9 Uhr, der nächsten Pause, mache ich mir dann mein Frühstück, welches entweder aus belegten Broten, oder Müsli besteht. Gegessen wird am Arbeitsplatz.

Virtuelle Raucherpause mit dem Team

Kurz vor 10 Uhr dann der virtuelle Guten-Morgen-Kaffee mit ganzen Team. Dieser virtuelle Guten-Morgen-Kaffee Termin soll die sonst üblichen gemeinsamen Raucherpausen ersetzen, in welchen man mit den Kollegen auch private Dinge bequatschen konnte. Hierbei handelt es sich um einen Serientermin, der bei uns jeden Vormittag für 15 Minuten stattfindet. Ist jemand aufgrund anderer Termine verhindert, kann er sich zu einem späteren Termin einklinken. Gerade jetzt, wo durch das Coronavirus vermehrt die Mitarbeiter zur Home-Office Arbeit aufgefordert sind, sollte man sich schon so organisieren, dass man als Team, wenngleich nur virtuell, sich zu gemeinsamen Pausen verabredet. So kann man, trotz Social-Distancing, den persönlichen Kontakt über Video-Konferenzsysteme stattfinden lassen.

Nach dem Termin gehts dann mit dem Projektgeschäft weiter und zu jeder vollen Stunde eine kurze Pause, sofern nicht gerade Online-Meetings stattfinden.

Mittagessen – Mittagspause

Gegen 12 Uhr stell ich mich dann in die Küche und koche. Ja, ich koche frisch und es gibt kein Büchsen und kein Tütenfutter. Das können nämlich gerne die ganzen Hamsterkäufer „fressen. Nein, ich koche immer frisch. Entweder am Mittag, oder aber ich bereite am Vorabend bereits das Essen vor. Für die Vorbereitung benötige ich meist nicht mehr als 10 bis 15 Minuten. Danach köchelt das Essen vor sich hin, während ich wieder am Arbeiten bin. Klar, das funktioniert natürlich nur, so lange man keine Gerichte zubereitet, die man wenden, oder ständig umrühren muss. Hier mal einige Fotos von Gerichten, welche ich im Home-Office frisch zubereitet und gegessen habe.

Das Kochen ist für mich wie eine Pause. Hier kann ich runterkommen und entspannen. Sobald das Essen fertig ist, nehme ich mir eine Portion und setze mich damit an meinen Home-Office Arbeitsplatz. Jetzt hab ich auch Zeit mich durch die E-Mail Nachrichten im Posteingang zu klicken und diese zu bearbeiten. Am Arbeitsplatz essen ist nun nicht Jedermanns Sache. Und selbst kochen wird nur, wer entweder tagsüber allein zu Hause ist, oder alleine wohnt. Ansonsten übernimmt das mitunter der Partner, oder man wechselt sich täglich ab. Da meine Frau jedoch tagsüber außer Haus ist, muss ich mich als auch die Kids versorgen.

Nach dem Mittagessen macht sich meist etwas Erschöpfung bemerkbar. Daher öffne ich hier meist die Fenster und lüfte gut durch. Dann geht es auch schon weiter. Meetings finden im Home-Office meist per Skype statt und das Aktivieren der Kamera lässt die aktuelle Situation etwas in Vergessenheit geraten. Und so gestaltet sich der Nachmittag meist mit Meetings, während man am Vormittag nahezu ausnahmslos sich seinen Aufgaben widmen kann.

Tea-Time-Meeting

Um 15 Uhr haben wir dann dann unser zweites virtuelles Teamtreffen, lassen dabei nochmal den Tag Revue passieren und sprechen über den bevorstehenden Feierabend. Bei der ganzen Isolierung helfen solche Regelmeetings mit den Kollegen diese Talfahrt durch Social-Distancing zu überstehen. 

Im Anschluss prüfe ich abschließend nochmals mein Postfach, bearbeite ggf. auch noch das ein oder andere Anwender-Ticket und verabschiede mich meist zwischen 16 und 17 Uhr in den Feierabend. Und da soll nochmal einer sagen, dass man im Home-Office weniger arbeitet und weniger produktiv ist.

Corona und Home-Office mit Kindern

In der Tat kann das Home-Office Eltern mit Kindern vor eine Herausforderung stellen. Die meisten kennen sicherlich das BBC-News Video, in welchem auf einmal die 2 Kinder in das Arbeitszimmer platzen, die Frau dies zu spät bemerkt und in einer Blitzaktion die Kinder aus dem Zimmer holt. Und womöglich haben viele Eltern die Befürchtung, dass ihnen möglicherweise das Selbe widerfahren könnte. Ich sage „scheiss drauf!“. In Telcos mit meiner Führungskraft lässt sich dessen kleiner Sohnemann auch immer wieder mal blicken. Das zeigt doch gerade, dass wir menschlich sind.

Nun leben meine Kinder nicht bei mir im Haushalt sondern bei meiner Ex-Fau. Dennoch sind sie in der Coronakrise an drei Tagen unter der Woche bei mir. Mit 16 und 13 Jahren sind sie schon sehr selbständig, d. h. sie erledigen ihre Hausaufgaben eigenständig und wissen sich durchaus selbst zu beschäftigen.

Doch auch wenn es nicht so wäre, wäre das Home-Office für mich kein Problem, da nicht wichtig ist um welche Uhrzeit ich meine Arbeit erledige, sondern dass diese erledigt wird. Möchte ich mehr Zeit mit meinen Kindern verbringen, um beispielsweise gemeinsam auf der PS4, XBOX oder Switch zu zocken, oder einfach mal raus zu gehen, muss ich früher aufstehen, oder am Abend nochmal ne Session einlegen.

Krönung des Tages: Das virtuelle Feierabendbier

Das virtuelle Feierabendbier ist tatsächlich die Königsdisziplin eines jeden Tages im Home-Office. Nicht immer sind es direkte Kollegen, sondern auch ehemalige Kollegen, Freunde und Bekannte, mit welchen ich mich zum virtuellen Feierabendbier verabrede. Und das tatsächlich jeden, bzw. jeden zweiten Tag. Denn soziale Kontakte sind wichtig, auch bzw. insbesondere in diesen Zeiten. Hier wird einfach über alles gequatscht, auch über die aktuelle Gefühlslage, wie man mit der Situation und den damit verbundenen Herausforderungen umgeht, bis hin zu der Kopflosigkeit mancher Menschen, die im Toilettenpapierwahn sind und den Personen vor der Nase weglaufen, die ein Recht darauf hätten, wie beispielsweise den Risikogruppen, als auch den ganzen Ärzten und Pflegekräften, die ich nach Doppelschichten meist vor leeren Regalen stehen.

Du bist derzeit aufgrund von Corona selbst im Home-Office? Dann lass doch mal deine Geschichte hören.

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