In vielen deutschen IT-Unternehmen ist ein Kommen und Gehen von Angestellten an der Tagesordnung. Nicht nur für das Unternehmen, nein auch für die Mitarbeiter eine enorme Belastung. Insbesondere wenn kompetente Mitarbeiter das Feld räumen ist es schmerzhaft, da eine Lücke entsteht, die sich durch Teamkollegen, als auch neue Mitarbeiter so schnell nicht schließen lässt.

Dieser Artikel beleuchtet unterschiedliche Beweggründe, die seitens Mitarbeitern zur Kündigung führen.

Unterdurchschnittliche Gehälter

Unterdurchschnittliche Gehälter können schnell zu Kündigungen führen. Insbesondere dann, wenn neue, frische, noch relativ unerfahrene Mitarbeiter weitaus mehr verdienen, weil „versäumt“ wurde, die Gehälter bestehender Mitarbeiter auf das aktuelle Niveau anzugleichen. Nicht selten hört man in Unternehmen von Angestellten den Satz „Wenn Du mehr Geld verdienen möchtest, musst Du kündigen!“.

Auch ich befand mich in dieser Situation. Über Jahre hinweg, durch permanente Führungskräftewechsel, hat sich mein Gehalt und meine Positon nicht weiterentwickelt. Durch kontinuierlich wiederkehrende Führungskräftewechsel immer wieder aufs Neue die gleiche Floskel „Ich hab gerade frisch angefangen und kann mir noch kein Urteil bilden, lass und das nächstes Jahr angehen.“ zu hören, hat irgendwann die Motivation extrem gedrückt.

Fehlende Wertschätzung

Wertschätzung - Danke sagen - weniger für die Tonne produzieren

Bei so manchem Unternehmen könnte man meinen, dass die Wertschätzung mit der Auszahlung des Weihnachtsgeldes als erfüllt angesehen wird. Mitunter fehlt es in der Organisation an einfachsten Benimmregeln – für geleistete Arbeit Danke zu sagen. Doch fehlende und mangelnde Wertschätzung wird oftmals auf andere Weise zum Ausdruck gebracht. Man engagiert sich in einem Projekt, kniet sich voll rein, befindet sich auf der Zielgeraden und bekommt dann auf einmal mitgeteilt, dass all das, wofür man sich Wochen, ja gar Monate den Arsch aufgerissen hat und den Fortschritt regelmäßig Stakeholdern transparent gemacht hat, für die Katz ist.

Mangelnde Förderung

Als Mitarbeiter möchte ich, dass mein Arbeitgeber meine Talente gezielt fördert. Ich möchte aber auch, dass ich die Maßnahmen der Förderung aktiv zum Einsatz bringen kann. Was bringt es mir, wenn mein Arbeitgeber mich auf eine Weiterbildung zum Product Owner schickt, wenn das Unternehmen weder agil arbeitet, noch mir den Raum zum Ausleben dieser Rolle gibt. Unternehmen, die ihre Mitarbeiter nicht aktiv durch Weiterbildung in Form von Schulungen & Zertifizierungen, als auch dem Besuch von Kongressen fördern, haben meist eine hohe Fluktuation.

Überstunden

Überstunden - Freizeit - Work-Life-Balance

Überstunden zu leisten ist durchaus legitim, so lange dies nicht als selbstverständlich angesehen wird. Denn so lange in Arbeitsverträgen die Klausel „Über­stun­den wer­den nicht ge­son­dert vergütet, son­dern sind mit dem mo­nat­li­chen Fest­ge­halt ab­ge­gol­ten.“ steht, wird man für geleistete Überstunden nicht entlohnt. Wer täglich 2 Stunden mehr arbeitet, als im Arbeitsvertrag definiert ist, kommt im Monat auf ca. 40 Überstunden. Leistet ein ganzes Team, bestehend aus 4 Mitarbeitern, jeweils täglich 2 Überstunden, hat der Arbeitgeber eine kostenlose Personalstelle dadurch geschaffen. Unbezahlte Überstunden finden Unternehmer richtig klasse, schließlich opfert der Angestellte seine Freizeit für den Arbeitgeber, der sich durch das eingesparte Geld einen zusätzlichen Luxusurlaub, oder einen neuen Sportwagen gönnen kann. Nebenbei gesagt profitieren auch die Führungskräfte, die durch die Anordnung von Überstunden ihre Ziele erreichen und somit Bonuszahlungen ausgeschüttet bekommen. Die eigentlichen Akteure gehen dabei meist leer aus.

Lange schauen sich Angestellte diese Zustände nicht an. Denn ein „Danke für euren unermüdlichen Einsatz“ ist weder eine angemessene Wertschätzung, noch motiviert diese auch künftig unentgeltlich Überstunden zu leisten, während das Management mit Bonuszahlungen belohnt wird.

Fehlende Perspektiven

Ziele Strategien Perspektiven für Mitarbeiter

Die Mitarbeiterentwicklung ist ein leidiges Thema. Während in großen Konzernen Mitarbeiterjahresgespräche stattfinden, in welchen das vergangenen Jahr reflektiert und die seinerzeit geplanten Entwicklungsmaßnahmen geprüft und neue Ziele und Maßnahmen für das aktuelle Jahr festgelegt werden, kann dies bei so manch kleinerem Unternehmen gänzlich fehlen. Perspektiven der Personalentwicklung sind für Mitarbeiter richtigungsweisend. Ohne eine Perspektive, eine Aussicht wohin die Reise im Unternehmen führt, fühlt sich der Angestellte im Stich gelassen. Schließlich geht es um seine persönliche Weiterbildung und seine Entwickung innerhalb des Unternehmens.

Keine Freiräume

Motivierte, engagierte und talentierte Angestellte benötigen Freiräume. Die meisten Geschäftsführer und Führungskräfte sehen diese Freiräume in der Freizeit. Da gehören diese Freiräume jedoch nicht hin. Schließlich dient die Schaffung von Freiräumen Mitarbeitern dazu, den Horizont zu erweitern, über den Tellerrand zu blicken, sich dadurch weiterzubilden. Unternehmen, die ihren Mitarbeitern keinerlei Freiräume gestatten können nicht das volle Potential ihrer Angestellten ausschöpfen. Und da der Mensch nie auslernt und er hier keinen Freiraum findet, um sich selbst weiterzubilden, wird so mancher Arbeitnehmer dem Unternehmen den Rücken kehren.

Fehlende Ziele und Strategien

Unternehmen folgen stets einer Strategie, aus welcher sich einzelne Ziele ableiten (hoffentlich). Dennoch fehlt es Mitarbeiter an Zielen und Strategien. Nicht etwa Ziele und Strategien des Unternehmens, sondern viel feingranularer, nämlich auf Bereichs-, Abteilungs-, als auch Teamebene heruntergebrochen. Als Mitarbeiter in einem Team, ohne Teamstrategie und -ziele fühlt man sich unsicher. Wohin geht die Reise? Ist mein Arbeitsplatz tatsächlich sicher? Was machen wir hier eigentlich? sind nur einige Fragen, die einen Mitarbeiter in einem solchen Umfeld beschäftigen. Team-Strategien und Teamziele geben dem Mitarbeiter eine Perspektive, einen Ausblick und sorgen für Klarheit.

Es gibt reichlich Gründe, warum Mitarbeiter ihrem Arbeitgeber kündigen. Doch beim in Deutschland herschenden Fachkräftemangel, welcher übrigens meist hausgemacht ist (siehe Gründe für eine Kündigung), sind Unternehmer zum umdenken aufgefordert. Sonst befinden sich im Unternehmen nur noch Manager, aber keine Angestellten mehr.

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