Zugegebenermaßen war ich anfangs etwas skeptisch als mein Chef vor Jahren auf mich zukam und meinte „Die Konzeption des Projektes kannst Du gerne im Home-Office machen. Da kannst Du ungestört arbeiten!“. Ich hatte zuvor noch nie im Home-Office gearbeitet und hatte anfangs meine Zweifel. Was, wenn mich zu Hause meine Playstation zum zocken verführt? Wenn ich statt zu arbeiten, mich auf den Balkon lege und ein kühles Bier trinke? Gedanken, die auch vielen Führungskräften in den Sinn kommen, ohne dass diese jedoch laut ausgesprochen werden.

Mit diesem Artikel möchte ich Aufräumen mit Vorurteilen und Bedenken gegenüber dem Home-Office, welche in den Köpfen vieler Führungskräfte steckt und zeigen, wie mit dem Home-Office der Arbeitgeber an Attraktivität gegenüber den Arbeitnehmern gewinnt, welchen Einfluss diese Position bei der Besetzung vakanter Stellen einnimmt und warum die Produktivität im Home-Office tatsächlich und nachweisbar steigt.

Ich hatte so meine Zweifel, im Home-Office fokussiert und konzentriert zu arbeiten und vielleicht sogar die Produktivität zu steigern. Dennoch folgte ich der Aufforderung meiner Führungskraft, packte zum Feierabend alle relevanten Arbeitsutensilien zusammen und ging nach Hause. Wir hatten uns zunächst auf 3 Tage Home-Office geeinigt, um das Experiment zu testen.

Mein Home-Office Erlebnis

Am nächsten morgen leutete um 6:00 Uhr mein Wecker. Ich sprang unter die Dusche, zog mich an, wollte gerade das Haus verlassen als ich begriff – It’s Home-Office Time. Also Schuhe ausgezogen, Expresso Lungo aus der Kaffeemanschine gezogen, es mir auf dem Balkon mit dem Notebook gemütlich gemacht und auf die Uhr geschaut – 6:25 Uhr. Hier zeigten sich mir bereits die ersten Vorteile des Home-Office: Ich hatte über eine Stunde Zeit gespart – Fahrzeit.

Für die Konzeption des Projektes hatte meine Führungskraft 10 Personentage eingeplant, also machte ich mich an die Arbeit. Im Laufe der Konzeption, bestehend aus zahlreichen Use-Cases, Triggern, Abnahmekriterien, als auch Test-Szenarien, legte ich einige Male den Weg zum Kaffeeautomaten zurück und wechselte auch mehrfach zwischen Balkon und Sofa. Um 14:30 Uhr dann eine Skype-Message von meinem Chef „Und wie läuft es im Home-Office?“. Eine gute Frage, die mir erst zeigte, wie gut es tatsächlich lief, denn ich hatte bis auf den letzten Use-Case das Konzept vollständig. Das konnte doch nicht sein, oder etwa doch? Ich blickte auf die Seitenzahl: 119! Konnte das tatsächlich sein? Ich beschrieb noch den letzten Use-Case, die damit verbundenen Abnahmekriterien und Testszenarien und begann das komplette Dokument zu reviewen. Aus meiner Sicht war die Konzeption abgeschlossen. Und nicht nur das, ich hatte auch Feierabend!

Was ich meinem Chef geantwortet hatte: „Es läuft ganz gut!“.

Nun hätte ich die nächsten beiden Werktage ebenfalls Home-Office machen können. Doch stattdessen fuhr ich ins Geschäft und war 7:40 Uhr am Arbeitsplatz. Als mein Chef das Teambüro betrat war er sichtlich überrascht mich anzutreffen und meinte „Ich dachte es läuft ganz gut. Was machst Du dann hier?„. Ich teilte ihm mit, dass ich fertig sei!

Er war sichtlich überrascht und konnte es nicht glauben. „Ein so umfangreiches Thema, mit so vielen Abhängigkeiten lässt sich nicht an einem Tag konzeptionieren!“, so seine Aussage. Also legte ich ihm das ausgedruckte Konzept zur Durchsicht vor. Sichtlich beeindruckt von der Dokumentenstärke zog er sich in sein Büro zurück. Nach 2 Stunden dann das Feedback „Das ist eines der besten Konzepte, die ich in meiner beruflichen Laufbahn in den Händen hielt. Wie hast Du das denn geschafft?“.

Hier begriff ich, dass das Arbeiten im Home-Office die Produktivität signifikant steigern kann. Insbesondere ist mir aufgefallen, dass ich mich am Arbeitsplatz durch zu viele Dinge ablenken lasse, es aber auch sonst erhebliche Störfaktoren am Arbeitsplatz gibt, welche die Produktivität negativ beeinflussen.

Home-Office ist nicht für Jedermann geeingnet. In meinem Umfeld kenne ich einige Personen, die sich mit dem Thema Home-Office nicht anfreunden können. Sie sind einfach gerne in Gesellschaft. Ich habe inzwischen in verschiedensten Unternehmen Home-Office Angebote in Anspruch genommen und war während meiner Arbeit im Home-Office ein Vielfaches produktiver, als ich es am Arbeitsplatz bin. Doch warum ist das so und warum gelingt das nicht am Arbeitsplatz?

Warum sind wir im Home-Office produktiver

  • Meetings
    Ein wesentlicher Störfaktor sind Meetings. Sicherlich hat man Meetings auch im Home-Office. Der Unterschied ist jedoch, dass dir nach der Telco niemand begegnet und du nicht in ein Gespräch verwickelt wirst. Du einfach die Telco/ Skype-Session beenden kannst.
  • Anrufe
    In der Regel leitet man sein Telefon nicht auf seinen privaten Telefonanschluss weiter, wenn man sich im Home-Office befindet.
  • Teambüro
    Sind wir doch mal ehrlich, die meiste Unruhe entsteht im Teambüro. Auch wenn einem dies auf den ersten Blick gar nicht bewusst ist, doch Telefongespräche von Kollegen, Kollegen, die sich leise unterhalten, das zweite Frühstück, der typische Büro-Traffic, all das sind Produtivitätskiller
  • Fahrzeit
    Ja auch die Fahrzeit wirkt sich mindernd auf die Produktivität aus. Wieder einmal Stau, wieder einmal Vollidioten auf der Straße unterwegs, die Bahn hat Verspätung, Züge fallen aus – all dies nimmt, ohne dass uns dies bewusst ist, negativen Einfluss auf unsere Produktivität.
  • Wohlfühlfaktor
    Ich weiß ja nicht wie dein Arbeitsplatz ausschaut, doch wenn man sich die meisten Arbeitgeber und deren Arbeitsplätze anschaut, dann kann man nicht wirklich von Wohlfühlfaktor reden. Wo kann man es sich in Ruhe auf einem Sofa bequem machen, oder auf die Terasse mit dem Notebook sitzen und ungestört arbeiten? Sicherlich mag es vereinzelt Unternehmen geben, welche ihren Mitarbeitern einen attraktiven Arbeitsplatz bieten. Die breite Masse an Unternehmen tut dies nicht.

Home-Office gegen Fachkräftemangel

Auf dem Arbeitsmarkt gibt es viele offene Stellen. Insbesondere in der IT-Branche und IT-Berufen herrscht ein andauernder Fachkräftemangel. Ein Fachkräftemangel der nach meiner Einschätzung durchaus den Unternehmen selbst zuzuschreiben ist.

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